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Alles nur verwirrte Chaoten?

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Kommentar

» Unser Volk ist in Sachen Islam tief
gespalten. Wer baut hier Brücken? «
idea-Leiter Helmut Matthies (Wetzlar)

Alles nur verwirrte Chaoten?

Selten traf eine Jahreslosung so sehr den Nerv der Zeit wie die von 2015, obwohl sie bereits 2012 ausgewählt wurde: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Römerbrief 15,7). Denn kurz vor dem Friedensfest Weihnachten herrscht Unfriede. Ungewohnt einig sind sich nur die Eliten in Politik wie Kirche und so gut wie alle Medien: Pegida ist furchtbar!

Dass sich in Dresden innerhalb kürzester Zeit eine islamkritische Bewegung von zunächst 500 und schließlich am 15. Dezember von über 15.000 Bürgern unter dem Schirm der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) versammelte, wird mit schärfsten Begriffen belegt: Bundesjustizminister Maas (SPD) bezeichnete die Demonstranten als „Schande für Deutschland“, Bundespräsident Gauck als „Chaoten“, Grünen-Chef Özdemir als „komische Mischpoke“, und Kanzlerin Merkel (CDU) warnte vor „Hetze und Verleumdung von Ausländern“. Und unter dem Gejohle der Zuschauer in der satirischen „heute-Show“ (ZDF) werden sie alle als „Verwirrte“ karikiert und gleich mit der Gestapo verglichen.

Wenn man keinen Nazi findet, muss man ihn erfinden

Es gibt sehr gute Gründe, Pegida abzulehnen. Trotzdem sollte man zur Kenntnis nehmen, dass das 19-Punkte-Programm der Bewegung weder Rassistisches noch Undemokratisches enthält, nicht grundsätzlich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist, sondern für die tatsächliche Anwendung des Asylrechts eintritt und für eine Einwanderungspolitik nach kanadischem Vorbild plädiert. Das ist in der Stimmungsmache gegen Tausende Bürger, die friedlich und meist still durch Dresden zogen, oft unterschlagen worden. Und wenn man keinen Nazi findet, dann muss man es eben selbst machen. So gab sich ein RTL-Reporter als Demonstrant aus und äußerte sich lügend rassistisch im Fernsehen. Er wurde danach zu Recht gefeuert.

Die Medien verspotten die Demonstranten, weil diese Angst vor dem Islam haben. Gleichzeitig berichten sie, wie Islamisten Christen kreuzigen, Kinder enthaupten und auch jüngst massenhaft (im November allein 5.240) Menschen töteten. Und wenn in Deutschland (!) in evangelischen Kindergärten aus Rücksicht auf Muslime kein Schweinefleisch mehr gegessen, die islamische Rechtsprechung stillschweigend geduldet und gleichzeitig hingenommen wird, dass nicht wenige Muslime, die Christen geworden sind, sogar bei uns in den Untergrund gehen müssen, stellt sich zu Recht die Frage, ob nicht der Einfluss des Islam immer mehr wächst. Wenn jedenfalls fast jeder zweite Deutsche laut Umfragen Verständnis für Pegida zeigt (darunter 46 Prozent der SPD-Anhänger), kann das nur heißen: „Dresden“ gibt eine Stimmung wieder. Sosehr einige Scharfmacher von Pegida die Situation übertreiben, sosehr untertreiben Politik und Kirchenleiter die Gefahren. Wer nur im Dienstwagen durch Deutschland reist und sich vornehmlich mit hochgebildeten Muslimen trifft, versteht natürlich die Ängste der Deutschen nicht, die am Wochenende in Regionalzügen in der 2. Klasse das Empfinden haben, komplett in der Minderheit zu sein.

Wer Nächstenliebe einfordert, sollte Nächstenliebe üben

Kurzum: Es mangelt an Brückenbauern. Eigentlich sollten das die Kirchen sein, aber viele ihrer Repräsentanten haben die Andersdenkenden derart diffamiert, dass auch mit ihnen keiner mehr reden will. Was fehlt, ist gegenseitig zuzuhören. Die Politiker und Kirchenleute, die sich – wie die Umfragen belegen – ja weit von der Basis entfernt haben, sollten sich die Sorgen vieler Bürger anhören. Die Islamkritiker wiederum sollten sich davon überzeugen lassen, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland friedlich ist und mit den einheimischen Deutschen auch tatsächlich zusammenarbeiten will. Und die Kirchen: Man kann schlecht von den sich ängstigenden Bürgern Nächstenliebe für Ausländer einfordern, wenn man die Nächsten in seiner eigenen Kirche nur beschimpft. Da gibt die Jahreslosung für beide Seiten genau die richtige Lösung vor.

(Der Autor, Helmut Matthies, ist Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).)