EAK Kreisverband Wesel

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Kreisverband Wesel

Neujahrsrundschreiben 2014

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Freundeskreis für eine christliche Politik

Eine Initiative des Evangelischen Arbeitskreises

der CDU/CSU im CDU-Kreisverband Wesel

 

Utfort, im Januar 2014

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde !

 

Ich denke mal, eine ganze Reihe von Ihnen weiß, daß es die sog. Losungen gibt, ausgeloste Bibelverse zu den Tagen und Monaten des Jahres und zum Jahr selbst.

Bei der Festlegung der Jahreslosung für 2014 ist nun etwas geschehen, was es so noch nie gegeben hatte.

Die Jahreslosung sollte ursprünglich lauten (Psalm 73, Vers 28): „Ich aber – mein Glück ist es, Gott nahe zu sein.“

Der Psalmist war vorher, bevor er dies sagte, fast verzweifelt daran, daß die Menschen um ihn herum in Saus und Braus lebten, sich um Recht und Ordnung nicht kümmerten, von Gott nichts wissen wollten, und daß es ihnen trotzdem anscheinend sehr gut ging Dennoch, er schließt seine Rede mit dem obigen „Ich aber …“

Soweit der literarische Hintergrund.

Bei der späteren Änderung der Jahreslosung passierte dann eine (zumindest auf den ersten Blick) Kleinigkeit: Das „Ich aber“ wurde gestrichen, und übrig blieb ein schön glattes und wohlklingendes „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“

Wirklich nur eine Kleinigkeit? Oder ein Symptom für etwas viel tiefer Liegendes in unserer heutigen Gesellschaft? Ist ein „Ich aber“ nicht gern gesehen, gar unerwünscht? Ist vielleicht das heimliche, eigentliche‚ korrekte’ Motto unserer Gesellschaft Gleichmacherei und Nivellierung? Oder das Aufbauschen von Nebensächlichem, um von dem wirklich Wichtigen abzulenken? Oder gar die Abschaffung eigenständigen Denkens?

Ein paar Beispiele:

Seit ein paar Jahren wuchert hierzulande die Gender-Ideologie, wonach Unterschiede zwischen Mann und Frau nicht naturgegeben, sondern anerzogen seien. Dem müsse auch durch eine geschlechtsneutrale, „faire“ Sprache Rechnung getragen werden. Brav greift dieses Thema auch der Landschaftsverband Rheinland auf und schlägt in einer dicken Handreichung zur „kommunalen psychiatrischen Versorgung“ u.a. vor, den Begriff „Kostenträger“ durch „ kostentragende Institutionen“ zu ersetzen.

Oder die sog. Homophobie-Debatte. Es ‚outet’ sich ein Fußballprofi, und ein Rauschen geht durch den Blätterwald. Da beansprucht eine Randgruppe (über ihre allfällige essentielle Verdrehtheit wollen wir hier nicht sprechen) von vielleicht gerade mal 10-12 % der Gesamtbevölkerung das Feld für sich, und kaum Platz bleibt z.B. für Probleme der Familien, wo ja Kinder zu gefestigten Individuen heranwachsen könnten.

Ganz aktuell der Versuch der Landesregierung von NRW, die Freiheit der Forschung einzuschränken und Forschung gleichzuschalten. Da heißt es nämlich im Entwurf eines neuen „Hochschulzukunftsgesetzes“, die Forschung habe einen „Beitrag zu einer nachhaltigen und friedlichen Welt“ zu leisten“. Hätte Einstein unter diesen Bedingungen wohl forschen dürfen?

Ein letzter Punkt: Im Schulwesen wird längeres gemeinsames Lernen als das Nonplusultra der Pädagogik propagiert. Dabei gibt es keine ernstzunehmenden Belege dafür, daß dies zu einer besseren Bildung führt, im Gegenteil.

In ähnliche Richtung geht die aktuelle Inklusions-Kampagne. Sicher können einige Behinderte gemeinsam mit Nichtbehinderten unterrichtet werden, aber der weitaus größere Teil von Behinderten stört den Lernfortschritt der Nichtbehinderten beim gemeinsamen Unterricht, und auch für Behinderte ist der gemeinsamen Unterricht nicht unbedingt optimal, so bitter das vielleicht in den Ohren vieler Gutmenschen klingen mag. Man könnte böse und politisch völlig unkorrekt formulieren: Längeres gemeinsames Lernen und totale Inklusion sind organisierte Volksverdummung.

Aber vielleicht ist genau solches gewollt.

Und damit kommen wir zurück zum Anfang. Ein „Ich aber“ scheint tatsächlich nicht gewollt. Gut ausgebildete und gebildete Menschen, die zu qualifiziertem Nachdenken und dann zu soliden eigenen Standpunkten fähig sind, die stören nur, die sind unbequem, schlecht regierbar.

Allenfalls bietet man Nebenschauplätze an, wo sich die, die sich ein bißchen ereifernd engagieren möchten, austoben können.

Irgendwo erinnert das Ganze mehr und mehr an ein Wort, das dem ‚Alten Fritz’ zugeschrieben wird: „Laß sie parlieren, soviel sie wollen, Hauptsache, sie parieren.“

Vor bald 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine Schrift „Von der Freiheit eines Chri-stenmenschen“, eine Generalabrechnung mit der damaligen Bevormundung der Menschen durch die katholische Kirche. Heute versuchen sich andere Mächte an unserer geistigen Bevormundung. Deshalb gilt mehr denn je der Kernsatz aus Luthers Schrift:

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Ich wünsche uns allen für das vor uns liegende Jahr, daß wir überall, wo wir mit den Menschen zu tun haben, wo wir wohl auch politisch aktiv sind – daß wir dieses Wort Martin Luthers mit Mut und Zuversicht vertreten und umsetzen können.

 

Mit herzlichem Gruß

 

Wolfgang Hemkens
Vorsitzender des EAK Wesel

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 18. Januar 2014 um 20:58 Uhr